
von
Gustav
Adolf Pourroy
© Gustav Adolf Pourroy 1998
Die Sage von Pygmalion
und Max Frischs Andorra zeigen uns,
dass Menschen, die als etwas angesehen oder behandelt werden, zu dem werden können,
für was sie gehalten werden: Eine elfenbeinerne Statuette zur leibhaftigen
Aphrodite und ein angeblicher Jude zum sprichwörtlichen Juden. So gaukelt Phantasie
Pygmalion eine lebendige Aphrodite vor. Und die Gesetze der sozialen Anpassung
formen den angenommenen Juden in Andorra zu dem, als was er behandelt wird.
In der heutigen politischen Landschaft gibt es für diese sozialpsychologischen Gesetze Nutzanwendungen. Die PDS, ein Derivat der abgewirtschafteten SED, erregt mit ihrem Dasein, der ganzen politischen Darstellung und dem spezifischen Wortschatz nicht nur semantische Allergien. Die vorgewandte Abkehr von der SED glaubt ihr niemand, denn sie hat den Stallgeruch der SED und Teile des Kaders der SED sind noch spürbar. Die PDS nutzt offenbar - so heisst es - Teile des Vermögens der SED.
Theodor
Eschenburg glaubt, dass ihre vorgegebene Einstellung zur demokratischen
Verfassung rein taktischer Natur ist und dass sie ihre wahre,
verfassungsfeindliche Gesinnung
verhüllt.
Es kann indessen
nicht übersehen werden, dass die PDS von einem grossen Teil der Bevölkerung
der Neuen Bundesländer gewählt worden ist, weil die PDS eine klaffende
sozialpolitische Lücke nutzte und sich als Wortführer, Fürsprecher und Kämpfer
für hart vom Wandel betroffene Teile der Bevölkerung zu profilieren
suchte. Die PDS füllt in ihren Augen eine Blöße aus, die zu schliessen die
anderen Parteien - namentlich die SPD - versäumt haben. Arbeitslosigkeit, Zurücksetzung,
Dominierung durch westliche Manager, mangelndes Verständnis für wirkliche
Errungenschaften der DDR, mangelnde Kontrolle der Treuhandpolitik durch die dazu
an sich berufenen Länder sind nur einige der Ursachen, die hier gar nicht
vollständig aufgezählt werden können. Kluge Mahner haben diese Entwicklung
vorausgesehen, wurden aber nicht erhört.
Die Ausgrenzung der
PDS wird einige schwerwiegende Wirkungen haben: In Wahrheit wird sich die SPD politisch-machiavellistisch danach sehnen, mit ihr einen Koalitionspartner für
gemeinsame Ziele zu gewinnen. Schliesslich kann es kein Zufall sein, dass die
Abkürzung PDS lediglich ein Anagramm des Begriffes SPD ist. Die erklärte
Politik der Ausgrenzung geht auch bereits in eine Politik der Abgrenzung
und schließlich zu mehr oder weniger offenen Fühlungnahmen über. Hygienischer
Abstand bleibt angesagt - siehe Sachsen-Anhalt und Mecklenburg.
Die erste Wirkung
der Ausgrenzung ist die Solidarisierung
der sich um die PDS scharenden Gesinnungsgenossen. Das ist ein kleiner Teil der
Bevölkerung, der sonst Schritt für Schritt zur SPD abfallen könnte. Denn
eines ist doch klar: Die sonstigen politischen Ziele der PDS, die auch von SPD
vertreten werden, können schon deswegen keine Bindewirkung an die PDS behalten.
Die wirtschaftliche Misere vieler Teile der neuen Bundesländer wird - wenn die
Bundesrepublik erneut wie bei dem Lastenausgleich, bei dem Stabilitätsgesetz
und den Rentenreformen ihre Kraft zum Wandel auch bei der Bewältigung der Arbeitslosigkeit zeigte - vorübergehen.
Damit ist der Kitt in der PDS auf Zeit gesehen brüchig. Daraus wird klar: Die
Bewältigung der Misstände in den Neuen Bundesländern ist die wirksamste Bekämpfung
der PDS. Und wenn Heißsporne das Wort Rote Socken in den Wahlkampf
bringen, spielt das der PDS in die Hände: Es führt zur Solidarisierung.
Die Ausgrenzung der
PDS hat aber nicht nur den Solidarisierungs- sondern auch den Pygmalioneffekt. Das Image führt zu Unbekümmertheit und Sorglosigkeit um das Wohl
des Ganzen. Das kann nicht gleichgültig sein, denn ein namhafter Teil der Bevölkerung
der Neuen Bundesländer hat die PDS gewählt. Man muss sich fragen, ob so viele
Menschen von der politischen Bühne ausgeschlossen bleiben sollen, weil sie
angeblich mit der Wahl der PDS mangelnde Einsicht in die wahren Ziele der PDS
gezeigt hätten. Die Leidensrolle, in die die PDS nach ihrer Ausgrenzung schlüpfen
kann, wird sie geschickt zu nutzen
verstehen. Sie wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Ausgrenzung der
sozial Entrechteten, der Geschädigten, der Vergessenen lenken. So wird die
PDS noch hässlicher erscheinen und damit zu dem als was sie behandelt wird: Der
Pygmalioneffekt wird manifest.
Beide Wirkungen können
nicht die Ziele der Parteien rechts von der PDS sein. Weder im praktisch
politischen Sinn - sozusagen mit Machiavellismus gedacht - noch im Sinne der
Sozialpsychologie. Richard von Weizsäcker als Repräsentant unserer in diesem
Jahrhundert durch so viele Umwandlungen geschundenen Nation hat klar dazu
aufgefordert, die Ausgrenzung zu beenden, damit die Mauern in den Herzen
abgebaut werden. Solidarität aller ist
die Forderung der Zeit.
Schließlich bleibt
zu berichten wie der sich konstituierende Bundestag reagierte, als sein Alterspräsident
Stefan Heym aus der PDS die Sitzung eröffnete. Alle hofften, dass seine Rede Brücken zu
bauen versuchte. Das war der Fall, denn Heym liess eine im letzten Augenblick
gegen ihn inszenierte Intrige aus den Gauck-Unterlagen unbeachtet.
Siehe dazu auch:

| Intrigen sind ein soziales und alltägliches Übel - wie man sich dagegen
wappnet. How to get along with Schemers, Plotters, Intriguers. English Version in short: The Principle of Intrigue Intrigen setzen immer einen Konflikt voraus. Mobbing ist etwas Elementares, es ist Hänseln aus Bosheit. Klassisches Symbol für Intrige: intrigue.jpg intrigue minefield-intrigue konfliktudemokratie Manche schlafen ruhig. bigsleep.gif Der Philosoph Michel Montaigne gibt folgenden Rat: |

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