
Ich hoffe in diesem Buche manchen Faltenkniff in den Köpfen
der Strategen und Staatsmänner auszubügeln und wenigstens
überall zu zeigen, worum es sich handelt und was bei einem
Kriege eigentlich in Betrachtung zu ziehen ist.
Clausewitz zu seinem Buch „Vom Kriege“
Kriegführung durch Terror ist im 21. Jahrhundert die vorwiegende Form der gewalttätigen Konflikte geworden. Das läuft zwar in der Art zahlreicher Kleinkriege ab, stellt sich aber in seiner Gesamtheit als ein einziger großer Krieg des Islam gegen die westliche Welt dar. Die Auffassung des amerikanischen Präsidenten mit einem „War on Terror“ gegen die Vielzahl von Terror-Akten vorzugehen, zeigt keinen Erfolg. Es ist bloße Verteidigung. So weist auch Francis Yukuhama, in der Süddeutschen Zeitung vom 19.8.06 auf die begrenzten Erfolgsaussichten solcher Politik hin.
In Heribert Münklers Buch Der Wandel des Krieges wird zum Terrorismus ausgeführt, dass man drei Verteidigungslinien aufbauen kann, aber nicht einmal die in dem Buch beschriebene dritte Linie kann Frieden ermöglichen. Hier ist auf Clausewitz zu verweisen, der das das Primat der Politik in der Kriegführung betont hat. Weder die beharrlich auf offensive Verteidigung ausgelegte Kriegführung des „War on Terror“- Konzeptes führt wegen der starren Haltung des Westens zu einem Ausgleich, noch kann die unbestimmte Forderung der islamischen Gruppen im Dschihad, dem heiligen Krieg, einen fassbaren Ansatz für Verhandlungen zeigen.
Der von Münkler und anderen geprägte Begriff asymmetrische Kriege findet seine Entsprechung mit Quasi-Krieg in Samuel P. Huntingtons Buch Kampf der Kulturen.
Das Wachstum der Weltbevölkerung in 190 Staaten mit etwa 1000 Völkern erzeugt weiter wachsende Konflikte, worin die militärische Stärke der Goliath-Staaten die Davids der Welt herausfordert, mit den Strategemen des Kleinkrieges zu siegen.
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Akteur |
Taten |
Schicksal |
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Spartacus ca 73 b.C. |
Aufstand der Sklaven |
Aufstand von Crassus niedergeworfen, gekreuzigt |
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Vercingetorix 50 b.C. |
Führer der Gallier gegen Cäsar, unterwarf sich, |
erwürgt im röm. Karzer nach Triumph-Zug |
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Robin Hood |
sagenhafter Kleinkrieger gegen den Sherriff von Nottingham, brit. Nationalheld aus der Zeit Richard Löwenherz |
Heute Idol der Aufsässigen im englischen Sprachraum |
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Thomas Müntzer |
Führer des Bauernaufstandes um 1500 |
Geköpft 1525 |
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Wilhelm Tell |
Schweizer Sagen-Held Kampf gegen Obrigkeit. ca.1300 |
Heute Idol der Schweiz |
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Andreas Hofer |
Guerilla gegen Franzosen, Bayern |
erschossen in Mantua 1810 |
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Sitting Bull |
Führer der Sioux gegen die Weissen |
Starb 1890 nach Übergabe friedlich in seinem Lager Nord-Dakota |
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Geronimo |
Führer der Apachen gegen die Weissen, |
starb im Exil Fort Sill, Oklahoma, Grab ausgeraubt |
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Sir Roger Casement |
irischer Widerstand gegen Briten, Unterstützer Deutschlands |
1917 gehängt |
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Menahim Begin |
Teilnahme an Attentat gegen Hotel David |
Israel PM, |
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Ithzak Rabin |
war Führer der Gefangenen im (brit) Rafah-Lager |
PM Israel, Motor des Ausgleichs mit den Palästinensern, ermordet |
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Yitzhak Shamir |
Terrorist
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Zuerst gefangen in Eritrea, dann PM Israel |
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Chin Peng und andere |
War of Running Dogs -“Emergency” in Malaya bis 1960 |
Gründung von Malaysia und Singapore, kein eigener Erfolg |
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Ho Tschi Minh |
Führte Viet-Cong gegen Franzosen, dann Amerikaner zum Sieg |
liegt in einem Mausoleum als Nationalheld |
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Fidel Castro |
Führte geschickt Guerilla gegen Battista, Diktator Cubas |
Diktator in Cuba |
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Ben Gurion |
fast gewaltloser Rebell gegen die Briten, Führer des Unabhängigkeitskampfes |
Vater Israels, Staatspräsident Israel |
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Nelson Mandela |
Führer des Widerstandes der Schwarzen in RSA |
nach 25 Jahren im Gefängnis Staatspräsident von RSA |
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Josef Stalin |
als Gegner des Zaren-Regimes verbannt in Sibirien |
Diktator der Sowjet-Union |
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Mao Tse Tung |
Aufstandsführer gegen die Kuo-Minh-Tang |
Diktator Chinas |
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Che Guevara |
Mitstreiter Castros |
getötet im Guerilla-Krieg in Bolivien |
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Osama bin Laden |
Organisator des Dschihad gegen USA und westl. Welt |
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Yasser Arafat |
Organisator der PLO |
Präsident Palästina |
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Ahmed Sukarno |
Befreiung von Kolonialmacht Niederlande |
1. Präsident Indonesiens |
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RAF |
Stadtguerilla |
alle verurteilt |
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Brigate Rosso |
Stadtguerilla |
alle verurteilt |
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FLN |
Befreiung Algeriens von französischer Dominanz |
Algerien ist frei |
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PLO/HAMAS etc. |
Kampf gegen Dominanz Israels |
Andauernder, schwärender Konflikt |
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IRA |
Kampf gegen britische Dominanz in Nordirland |
Versuch eines Modus Vivendi |
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ETA |
Kampf der Basken gegen spanische Dominanz |
Batasuma-Partei verboten – blutiger Terror – Waffen-Stillstand 24.3.2006 |
Im Kleinkrieg ist der Schwächere der Angreifer. Der Guerillero wendet die Elemente Überraschung, List und Kühnheit an, um die Stärke des großen Gegners zu überwinden. Der Kleinkrieg mit solchen Strategemen ist der Krieg des Schwächeren gegen den Stärkeren. Es ist der Kampf David gegen Goliath (1. Samuel, 16. u. 17 Kap.). Alle seinerzeit bekannten Strategeme des Kleinkrieges hat Clausewitz ausführlich behandelt. Clausewitz hat aber den Kleinkrieg selbst nur wenig beschrieben (17.Kapitel „Über den Charakter der heutigen Kriege“ Insurrektionsmittel). Clausewitz führte über das neue Strategem der letzten Zeit, dem des Terrors, nichts aus.
Alle Arten des Krieges, ob Groß-Krieg, totaler Krieg, Atom-Krieg, kalter Krieg und Kleinkrieg unterliegen logischen, grammatischen Zusammenhängen zwischen Politik und Kriegführung, die Clausewitz erstmalig beschrieb.
Die nicht vollständige Aufzählung über einige führende Akteure von „Kleinkriegen“ zeigt, dass aus manchen Kleinkriegen große Staaten entstanden sind. In der vielfältigen Form der Kleinkriege wollen Unterdrückte eine übergeordnete, größere Macht abwerfen.
Der in der Regel versteckte David erklärt den Kleinkrieg nicht. Es kann sein, dass er die offene Konflikt-Bearbeitung versucht hatte, aber scheiterte. Die andere Möglichkeit ist, dass er es von vornherein aufgab, eine offene Konflikt-Auseinandersetzung zu führen, weil er die Stärke des Gegners hoch einschätzt und in der offenen Konflikt-Auseinandersetzung keinen Erfolg erwarten konnte (so z.B. die Palästinenser im Kampf gegen Israel).
Wie ist der Kleinkrieg aber dann die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen Mitteln? Der regierende Staat, der Goliath, kann den Kleinkrieg nicht erklären, er wird ihm aufgezwungen. Der Staat erkennt den Konflikt-Gegner an seinen Guerilla-Aktionen, eine Kleinkriegs-Erklärung gibt es auch von der Seite der Guerilla in der Regel nicht. Der Guerilla versteckt sich, aber ein Staat kann sich nicht verstecken. Im Sinne der Haager Landkriegsordnung sind Guerilla-Kämpfer keine Kombattanten aus der leveé en masse, weil sie ihre Waffen nicht offen führen.
Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON
In der Dritten Welt besteht Frustration, weil diese Völker sich als blosse Lieferanten von Rohstoffen benutzt sehen, obwohl sie doch wichtige Partner in der Weltwirtschaft sind. Aus der Sicht dieser Länder regeln internationale Trusts die Abläufe der globalisierten Wirtschaft ohne wirklichen Einfluss der beteiligten Völker. Es wäre ein wirksamer Schritt zum Frieden, wenn die islamische Welt sich als fairer Partner der westlichen Welt anerkannt sehen würde und zum Beispiel die Öl-produzierenden - hauptsächlich - islamischen Staaten an Gipfeltreffen der G8-Staaten oder ähnlichen Einrichtungen teilnehmen könnten. Solche Politik wäre ein klares Signal der wirklichen Einschätzung dieser Länder und ein Markstein zum Fortschritt in Richtung Frieden. Obamas Appell vom 4. Juni 2009 in Kairo war ein hoffnungsvoller erster Schritt, aber die Widersprüche von leidender Bevölkerung in Afghanistan, die mit Demokratie beglückt werden soll, wirkt gegensätzlich. Nur die Engländer haben mit rabiaten Mitteln im Burenkrieg und in Malaya diesen Widerspruch bewältigt.
Die unter dem Programm Krieg dem Terror laufenden Maßnahmen sind reine Verteidigung, sie lassen als politischen Willen nur Erhaltung des status quo erkennen. Die Grammatik des Krieges verlangt aber einen gestalterischen Willen zur Neuordnung der politischen Beziehungen. Sonst ist alles nur Reaktion und der Guerillero David setzt den Versuch fort, dem Goliath seinen politischen Willen aufzuzwingen. Aber wenn der Wille des Davids unklar ist oder nur Träumen entspricht und zudem die Goliaths ohne moderatorische Hilfe lange starr bleiben, dann sind alle in einer no-win-Situation. Das führt zum lang anhaltenden chaotischen Unfrieden.
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