Besprechung des Buches von Hans Magnus Enzensberger in
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Der Mensch im kranken Staat,
Geschichte verläuft
tatsächlich chaotisch und Zufälle stören den von Geschichtsschreibern ersehnten
harmonischen Ablauf. Daher ist wahrhafte Geschichtsbetrachtung immer rhapsodisch
und der Autor und der Leser muss sich durch die Widersprüche des Ablaufs finden.
Man darf bei diesem Werk nie den Untertitel "Eigensinn" vergessen. Aus den Nöten
der Nachkriegszeit in den zwanziger Jahren erschien Hoffnung verheischend als
kraftvolle Figur ein Rattenfänger, dem das Volk willig folgte. Hammerstein in
Eigensinn und Vorbehalten gefangen sprach zwar von "schiessen lassen", schoss
aber nicht. Hammerstein wusste sich einig mit Kameraden, tat aber nichts. Er war
kein Stauffenberg, kein Canaris, kein Witzleben, kein Treskow. Doch er sah den
Abgrund klar erkennend, er sah den kranken Staat und blieb eigensinnig
verhaltend. So arrangierten sich viele Generale im kranken Staat, wie Manstein,
wie Guderian.
Gustav Adolf Pourroy, München